Nun bin ich schon 6 Jahre alt und habe einiges erlebt, aber ich freue mich jeden Sonntag wieder auf den nächsten Montagmorgen. Heute ist Montag, noch ist bei mir alles dunkel, doch gleich, um 7.30 Uhr kommt die erste Erzieherin, die schließt die Haustüre auf und macht das Licht an.

Da kommen endlich die ersten Kinder mit ihren Eltern. Sie sehen noch etwas verfroren aus, denn morgens ist es doch schon empfindlich kalt. Gut, dass ich eine Heizung habe. Lisa hängt ihre Jacke an ihren Haken, zieht die Hausschuhe an und geht fröhlich in die Wurzelkindergruppe, wo sie von der Erzieherin begrüßt wird. Es riecht hier nach Pfefferminzöl. Richtig, es ist ja Montag, da wird in der Gruppe der Staub vom Wochenende und der letzten Woche weggewischt. Lisa nimmt sich einen Lappen und hilft mit. Nach und nach kommen immer mehr Kinder, die bis um 8:00 Uhr in der Wurzelkinder-Gruppe bleiben. Die hat nämlich diesen Monat Frühdienst. Zum Morgenkreis, in dem gesungen wird und es bimmelt und läutet, sind auch die Erzieherinnen der anderen Gruppen eingetroffen. Sie ziehen jetzt mit „ihren“ Kindern in ihre Gruppen.

Jasmina ist ganz flink alleine hereingekommen wie immer. Sie strahlt, zieht sich die Hausschuhe an und geht in die Blumenkindergruppe. Auch dort steigen Jasmina - und mir natürlich auch gute Gerüche in die Nase. Es duftet nach Lavendel. Ich fühle mich gleich wohler. Bei den Sonnenkindern höre ich die ersten kleinen Trippelschritte von Simon. Er ist erst 2 Jahre alt und noch nicht so schnell wie Jasmina. Gegen halb neun sind meist alle Kinder da. Ein paar sehen noch etwas müde aus aber die meistens haben strahlende Augen und sind schon sehr munter. Das macht auch ein Haus wie mich richtig wach. Langsam wird es immer lauter. Bei den Wurzelkindern wird ein Zirkus aufgebaut. Da werden Tische und Stühle gestapelt als Zelt und Stall.

Bei den Blumenkindern wird gerade eine Rutsche gebaut und mit Matratzen ausgepolstert. Eine kleine Kindergruppe, malt und bastelt Drachen, denn es ist Herbst. Bei den Sonnenkindern sitzen ein paar Kinder mit der Erzieherin gemütlich beisammen und hören eine Geschichte. Immer wieder wechselt das Spiel der Kinder. Puppenecken werden mit Tüchern zugehängt, aus umgedrehten Tischen werden Boote und Autos, Hunde werden ausgeführt und Fische geangelt.

Jetzt kann ich richtig riechen, dass Montag ist, bei den Blumenkindern werden Brötchen gebacken, bei den Wurzelkindern und Sonnenkindern riecht es nach Milchreis. Die Kinder helfen fleißig mit, und einige fragen schon, wann es Frühstück gibt, wann zum Aufräumen gesungen wird. Wenn die Frühstückstische gedeckt, die Räume aufgeräumt und die Tücher gefaltet sind, kann ich im Morgenkreis Sprüche, Lieder und Fingerspiele hören. Und ich weiß dann auch - genau wie die Kinder - ob alle Kinder da sind und wer heute fehlt.

Es muß 10.00 Uhr sein, denn da kommt die Köchin - mit Einkaufstaschen schwer beladen und bringt Leben in die Küche. Ich freue mich schon auf das Kochen, nun wird es ganz warm in meinem Bauch und es riecht wieder so gut, dass die Kinder voll Freude fragen, was es wohl heute Leckeres zu essen gibt.

Doch jetzt haben die Kindergartenkinder erst einmal ihr Frühstück beendet und gehen nach dem Reigen in den Garten. Oh, was sehe ich da? Die Blumenkinder ziehen Gummistiefel an, obwohl es nicht regnet. Das kann nur heißen, dass sie in den Wald und zum Bach gehen. Sie sind schon ganz aufgeregt. Auch im Garten gibt es Wasser - in der Wasserspielanlage, die die Eltern gebaut haben. Aber nicht nur Wasser und Sand hat der Garten zu bieten, auch duftende Blumen und Kräuter, viele kleine Tiere, eine Rutsche und eine Schaukel gibt es.

Wenn die Kindergartenkinder zum Schluss ein Märchen hören, ist es still im Haus. Der Duft des Mittagessens zieht durch meine Mauern.Dann wird es wieder lebendig. Die Kindergartenkinder werden abgeholt und die Tageskinder gehen zum Mittagessen.

Dafür wird es nach dem Mittagessen bis 14.30 Uhr ganz still. Die kleineren Kinder schlafen, die etwas größeren ruhen sich aus und bekommen nach dem Essen eine Geschichte erzählt. So kann ich auch kurz einen Mittagsschlaf machen. Nach der Mittagsruhe werden wieder Kinder abgeholt. Die anderen gehen in den Garten. Um 15.45 Uhr gibt es bei den Tageskindern einen Imbiss. Schön ist es, wenn ab 16 Uhr auch einige Eltern mit dabei sind. Bis 16.30 Uhr sind alle Kinder abgeholt. Die Türen sind geschlossen und alles ist aufgeräumt.

Doch bevor ich traurig werden kann, weil niemand mehr da ist, kommt die/der Putzfrau-/mann herein. Heute ist sie/er früher als sonst, denn heute Abend ist Elternabend. So wird dann um 20.00 Uhr aus dem Haus für Kinder ein Haus für die Eltern, wie an vielen anderen Abenden auch, mal wird gebastelt oder gekocht, mal diskutiert, erklärt, informiert, sich ausgetauscht und auch gefeiert.Wenn um 22.30 Uhr (und manchmal noch viel später) der Letzte die Haustüre abschließt, freue ich mich auf den nächsten Morgen und auf die Kinder, die mich den ganzen Tag über lebendig werden lassen.